Dienstag, 12. März 2019

Printed Matter Teil7 - Es geht weiter


In den letzten Monaten habe ich viel Kleinkram gemacht und nichts ist bisher soweit, als dass sich ein neuer Beitrag gelohnt hätte. Das 3D Drucken ist halt doch nicht so einfach, wie es auf den ersten Blick den Anschein hat. Außerdem habe ich dem niedrigen Einstandpreis inzwischen Rechnung tragen müssen. Das Netzteil ging kaputt, die Elektronik musste ich austauschen, diverse Nozzlelüfter sind mir abgebrannt usw. Da berichte ich aber ein anderes Mal drüber.

Leipzig rückt ja langsam in Sichtweite (Ende April) und vielleicht bekomme ich meine Manta da das erste Mal auf's Wasser. Bis dahin fehlen aber noch so Kleinigkeiten wie das Ruder und das Rigg ...


Andy hatte inzwischen ein druckbares Ruder gezeichnet und mir die Datei zur Verfügung gestellt.


Ich entschloss mich, das gleich in PETG zu machen, da PLA doch arg empfindlich gegen Schläge ist. Mit etwa 0,1mm Layerhöhe gedruckt ist das schnell erledigt - denkt man. Bei den ersten Rudern habe ich mit Infill gearbeitet, um Gewicht zu sparen. Unterhalb von 30% ging das voll in die Hose. Das Infillmuster zeichnete sich in der Oberfläche ab. Überall da, wo kein Material im Kern war, beulte sich die Wandung nach außen. Bei 25% oder weniger war der Effekt zwar weg, dafür verzog sich das Blatt beim Kleben.

Apropos Kleben. Neulich schrieb ich ja, dass ich zum Kleben von PETG noch keinen Plan hatte. Inzwischen bin ich hier ein gutes Stück weiter. Das Internet brachte mich auf Dachrinnenkleber (der für die Kunststoff-Dachrinnen). Das Zeugs ist zwar nicht ganz einfach zu verarbeiten, zumal, wenn es sauber werden soll, aber es klebt das PETG durch Verschweissen.





Nun scheint das PETG ziemlich dampfdicht zu sein, sprich, die in dem Kleber enthaltenen Lösemitel haben alle Zeit der Welt Unheil anzurichten. Den Erfolg sieht man auf obigem Bild am hinteren Ruderblatt. Die Oberfläche ist beulig und die Kanten sind teilweise angefressen. Das war wohl zu viel des Guten. Der Dachrinnenkleber ist also mit Vorsicht zu genießen.

Wie das vordere Ruderblatt zeigt, geht es aber auch besser. Das Geheimnis heißt Ethylacetat. Das ist ein Lösemittel aus der Lebensmittelindustrie, das auch in Nagellackentferner enthalten ist. Auch das Zeug verschweißt PETG, verdampft aber wesentlich schneller. Das Verkleben mit Ethylacetat ist damit so ähnlich, wie das Verkleben von ABS mit Azeton.

Das Bild unten zeigt  das Ergebnis eine Klebetests an einem missratenen Druck. Man sieht, dass sich die Klebestelle (1 Tropfen Ethylacetat) auch mit Gewalt nicht mehr trennen ließ. 


Zur Oberflächenglättung habe ich das Ruderblatt mit einem Überzug aus 25g/cm² Glasseide und Epoxi versehen. Das macht das Ruberblatt zwar nochmals schwerer, spart aber viel Schleiferei und macht die scharfe Hinterkante etwas stabiler. Die ist bei PETG und durch die Drucktechnik nicht wirklich beanspruchbar. Für diese Anwendungszweck ist reines PETG offenbar nicht optimal. Ein mit Carbonfasern gefülltes PETG liegt aber schon in der Werkstatt. Vielleicht geht das besser.



In obigem Bild wartet das fertige Ruderblatt auf das Oberflächenfinish.

Ach ja, einen Ruderhebel braucht es auch noch. Alles was ich in Fundus hatte war immer 1-2mm zu lang. Das Cockpit der Manta 2017 ist schon verdammt schmal ...


Auch das Ruderhorn ist aus PETG gedruckt. Es ist nur eine andere Farbe und ein anderer Hersteller.

Weil ich dann gerade so schön beim Drucken war, das neue Rigg braucht ja auch einen Ausleger. Ich war das Gefummel mit den Kohlestäben leid und habe kurzerhand einen druckbaren Ausleger konstruiert. Ich wollte es natürlich besonders schön machen und habe es wohl etwas übertrieben. Das Druckergebnis war noch leidlich (aber nicht so, als dass ich das auf einem meiner Boote zeigen möchte), aber die mechanische Stabilität war überhaupt nicht gegeben. Der Gitterarm bog sich einfach seitlich weg.


Also musste etwas solideres her. Das sieht zwar nicht ganz so elegant aus, funktioniert aber. Auch das wird ein Testfall für das Carbon-gefüllte Filament.



to be continued ...

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