Montag, 8. Juli 2019

Printed Matter Teil 9 - PETG und die Beulen

Ich habe mich in der letzten Zeit sehr viel mit PETG beschäftigt, gilt es doch als ein Material, was für technische Bauteile dem PLA überlegen ist. Es ist elastischer, schlagzäher, leichter zu bearbeiten und soll dann auch noch temperaturstabiler sein. Da alles im Leben aber etwas kostet, braucht man höhere Drucktemperaturen, es ist schwieriger das Stringing in den Griff zu bekommen und PETG ist etwas schwerer als PLA. Trotzdem sollte es, abgesehen vom Gewicht, damit eigentlich fast das ideale Material für unsere Bootsrümpfe sein...

Das sah erst einmal richtig gut aus
Ettliche Druckstunden und mehrere Kilo PETG später bin ich schlauer - es taugt nicht dazu. Doch lasst mich der Reihe nach berichten.

Technische Bauteile wie der Mastausleger oder das Ruderhorn, selbst Ruderblätter gehen gut und profitieren von den anderen (besseren) Materialeigenschaften. Ich habe darüber bereits berichtet (klick). Damals war ich noch sehr hoffnungsfroh. Die Ernüchterung kam dann aber beim Drucken der Rumpfsegmente. Die ersten Teile der neuesten Manta von Andy sahen super aus und die richtige Kalibrierung hatte ich auch schnell im Griff. Aber dann ging das Leiden los. Überall da, wo es wenig Krümmung in der Außenhaut gab, beulte das PETG. Je nach Herstelle mal weniger (silber, Extrudr) mal mehr (neon-orange, DasFilament), aber immer soviel das zumindest die Optik stark eingeschränkt war. Zum Teil war es aber auch so schlimm, dass sich die Segmente nicht einmal mehr vernünftig kleben ließen.
In den wenig gekrümmten Bereichen des Mittelschiffs ist das Beulen von PETG nicht  in den Griff zubekommen. Rechts hat es dadurch die Klebesicke hoffnungslos verzogen.
Eine Variation von Druckbett- oder Hotend-Temperatur brachte nichts. Spielen mit der Bauteilekühlung oder eine Veränderung der Druckgeschwindigkeit half auch nicht. Statt des Vasendrucks habe ich aus Verzweiflung zwei Perimeter mit insgesamt 0,8mm Wandstärke gedruckt. Zu guter Letzt habe ich sogar eine völlig andere Düse, eine beschichtete MicroSwiss statt der 08/15 Messingdüse, ausprobiert - alles ohne Erfolg.
Parallel dazu habe ich mich durch diverse Foren gewühlt und musste dann doch feststellen, dass ich mit diesem Problem nicht allein dastehe. Das Beulen von PETG im Dünnwanddruck ist ein bekanntes Phänomen, dem man nur mit Infill, Sicken oder Kanten beikommen kann.

Schade, also muss ich weiter nach gut geeigneten Materialien Auschau halten.

What's next?
Carbon-gefülltes PETG liegt noch hier und bei Selwyn Holland kann man nachlesen, dass dieser mit PLAplus extrem zufrieden ist. ASA wäre vielleicht noch einen Versuch wert. PC kann ich (bisher) nicht verarbeiten, Nylon ist auf meinem Drucker zumindest grenzwertig. Für den A6 ist nämlich kein Full Metal Heatbreak erhältlich, so dass für mich bei ca. 250 Grad Drucktemperatur Schluss ist. Die MicroSwiss-Düse braucht aber allein schon mal 5 Grad mehr als die Messingdüsen, und der Vasendruck braucht für eine gute Layerhaftung auch noch mal ca.10 Grad mehr, als Volumenteile. Das bringt theoretisch druckbare Materialien auf einmal vollständig in den grenzwertigen oder sogar roten Bereich.

Außerdem muss die Manta2017 auch endlich fertig werden. Es fehlen eigentlich nur noch die Schot und die Deckspatches, dann kann sie auf's Wasser. Nein, nicht ganz, noch etwas fehlt - die Motivation. Ich hatte ja gedacht, das Drama um RG65 und C65 ist ausgestanden und man kann wieder nach vorn schauen, aber jetzt hat noch einer aus dem harten Kern der RG65 aus nachvollziehberen Gründen das Handtuch geworfen. Statt einer funktionierenden 65cm Klasse haben wir inzwischen zwei Zombieklassen, und das alles nur, weil die Dachverbände nicht bereit waren, auf die Interessen der Segler einzugehen. Das begreife, wer will ...

Keine Kommentare:

Kommentar posten